Sekunden und Gedanken und Erinnerung und Zukunft

Vor einem halben Jahr

Nach langer Flucht, viel Schrecken und Angst fehlt das Vertrauen. Die Frage von dem Flüchtling: "was will die von mir? Ich versteh nichts. Helfen: ah ja! Weiß die denn, wo es mir weh tut, was ich brauche? Warum frägt die mich? Sonderbar!"

Viel Misstrauen.

Ich, die da auf einmal da ist und frägt: "Kann ich dir helfen?" sehe es in den Augen von Emad und später auch von Lazgen und den Anderen. Ich spüre es im Verhalten derer vor mir stehen: Flucht vor mir (ja tatsächlich), Distanz, Argwohn.

Es dauert lang. Es dauert die ersten und viele weitere Gänge zu den Ämtern. Es dauert die ersten und viele Gespräche danach. Es dauert: der Argwohn und immer wieder die Frage an mich: Warum? Warum helft ihr uns? Warum hilfst du mir?

 

Heute und morgen

Emad und Lazgen planen. Tatsächlich!

Das große Ziel und dahin in viele kleine Schritten: Sprache lernen, Netzwerk aufbauen. Gesellschaft ertragen. Die tägliche Angst um die Lieben lähmt. Ich, die dann aufhilft und sagt: "weitermachen. Denkt an eure Lieben! Denkt an euer Ziel!"

"Ja Chef!" Emad und Lazgen machen weiter. Schritt für Schritt. Viele Gespräche und viele Gespräche und viele Gespräche. Inzwischen ist meine Familie adoptiert. Das ist schön, denn nun weiß ich, dass Lazgen und Emad auch mich und meinen Mann aufsuchen und ich nicht mehr raten muß: "Was ist heute los? Warum vergräbt er sich?" Heute weinen sie auch mal; fragen und sind interessiert.

Das große Ziel

Lazgen

Die Frau nachholen. Die Sorge ist groß, da die Frau noch in Hasaka lebt. Eine gute Anstellung als Ingenieur zu bekommen. Evtl. auch den Master nachholen. Ein Buch schreiben.

Emad

Die Mutter aus Syrien holen. Mittlerweile ist die ganze Familie auf der halben Welt versprengt. Als IT-Fachmann ist es nicht so schwer eine Arbeitsstelle zu finden. Wenn Syrien befriedet ist, dann geht es wieder nach Hause. Gut so. Richtig so.

Warum ich das mache?

Mensch sein. Hoffnung, etwas Gutes weiter zu geben. Es sind alles so junge Menschen, da ist noch so viel Leben in ihnen und um sie herum.

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