Mein Name ist Emad Kamel. Ich komme aus der Stadt Damaskus in Syrien. Ich bin 28 Jahre alt und Computerspezialist von Beruf.

In meiner Heimat herrscht Krieg. Meine Familie und ich haben trotzdem versucht zwei Jahre lang ein normales Leben zu führen, aber das ist sehr, sehr schwer. Auf dem Weg zur Arbeit wurde täglich 10- bis 20-mal mein Pass kontrolliert. Wenn ich sicher bei meiner Arbeit ankam, rief ich meine Mutter an, die jeden Tag krank vor Sorge war. Wie alle Männer sollte ich auch zum Militär. Das war der Grund für mich zu gehen. Ich möchte nicht kämpfen, ich möchte nicht in den Krieg.

Die Flucht

Meine Flucht nach Deutschland war ein langer, schwieriger Weg. Ich bin von Syrien mit dem Flugzeug nach Algerien geflogen. Von dort aus ging es mit einem kleinen Auto, indem viele Menschen saßen, 28 Stunden durch die Sahara nach Libyen. Wir mussten sehr schnell fahren, da auf diesen Wegen viele Polizeiautos unterwegs sind. Wenn jemand von der Ladefläche viel, wurde nicht angehalten.

In Libyen wohnte ich 16 Tage lang mit 33 anderen Menschen in der Garage eines Schleusers. Es war so kalt in der Nacht, dass wir nicht schlafen konnten. Wir durften nicht laut sprechen und uns nicht beschweren. Bei jeder Kleinigkeit hatte man eine Waffe am Kopf. Es gibt dort eine Mafia.

Sie organisieren die Überfahrt mit Booten nach Italien. Sie sagten uns, es seien neue Boote mit wenigen Menschen die uns nach Europa bringen würden. Sie haben natürlich gelogen.
Bei meiner ersten Überfahrt saß ich in einem sehr kleinen, sehr alten Boot mit 450 anderen Menschen. Ich musste unten im Motorenraum sitzen. Es war so eng das niemand sich bewegen konnte. Dort war es unerträglich laut und heiß und man konnte vor lauter Abgasen kaum atmen.

Ein Mann wollte nach oben an Deck, doch er wurde von einem Aufpasser mit einer Waffe geschlagen und ihm wurde gesagt, wenn er sich nicht hinsetzt wird er erschossen.
Nach 6 Stunden auf dem Wasser ging der Motor kaputt. Schifferboote fanden uns und brachten uns zurück nach Libyen.

Nach weiteren 7 Tagen betrat ich ein neues Schiff. Viele die den ersten Versuch überlebt hatten, entschieden sich gegen einen zweiten Versuch. Die Angst war so groß, dass viele sogar nach Syrien zurückgingen. In dem zweiten Boot waren es nur 160 Menschen und wir schafften es bis in die italienischen Gewässer. Die Boote werden nicht von erfahrenem Personal gesteuert. Die Schleuser bezahlen 15jährige Jungs ohne Erfahrungen die Schiffe zu fahren. Es ist ein Wunder, dass wir ankamen. Von Italien kam ich dann mit dem Zug nach Deutschland.

Warum ich geflohen bin

Wir kommen nach Deutschland weil in Syrien  ein großer Krieg herrscht. In meinem Dorf gab es Demonstrationen für die Freiheit. Deswegen hat die Polizei dort sehr hart durchgegriffen und vieles kaputt gemacht. Sie haben mein Haus nieder gebrannt. Ich hatte nur noch mein Auto. Ich habe es verkauft um Geld für die Flucht zu haben.

Ich suche ein ganz normales Leben. Ohne Angst, ohne Krieg, ohne, dass man Menschen sterben sieht. Ich möchte arbeiten. Richtig arbeiten, so dass ich Steuern bezahlen kann. Ich möchte etwas zurückgeben dafür, dass ich hier leben darf.

Vor fünf Tagen schlug eine Rakete in die Schule meines Neffen ein. Ein Mädchen ist dabei gestorben. Mein Neffe möchte nun nicht mehr in die Schule gehen. Sie haben alle sehr viel Angst dort. Jeden Tag.

In Syrien hatte ich zwei Jobs und war von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr unterwegs. Jetzt habe ich keine Arbeit und bin sehr viel allein. Dadurch denke ich viel. Ich bin traurig und habe viel Angst um meine Familie. In Damaskus saßen wir jeden Freitag zusammen und haben gemeinsam gegessen und geredet.  Jetzt weiß ich nicht wann ich sie wiedersehen kann. Ich vermisse sie sehr.
Ich habe Glück und habe hier sehr nette deutsche Freunde. Sie helfen mir und erklären wie es läuft.

Ich bin sehr traurig wegen der Anschläge auf Paris. Ich habe mit vielen Syrern gesprochen und wir möchten sagen, dass wir gegen den IS sind. Am liebsten würde ich auf die Straße gehen und es laut schreien. Wir wollen das alles nicht.

 

Ich möchte sagen, dass wir ganz normale Menschen sind und man vor uns keine Angst haben muss.

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